Entspannt waren nur die Anwohner
Samstag, 21. August 2004 um 00:00 Uhr

 

Die Anwohner haben einen Gartentisch auf die Straße gestellt, darüber einen Schirm gespannt. Es wird Flaschenbier getrunken. 14.16 Uhr, gegenüber den ehemaligen NATO-Bauten am Hager Feld. Sie wissen alle: Es wird was passieren. Nur die Retter wissen das noch nicht. Das, was hier in der Luft liegt, ist die so genannte "Ruhe vor dem Sturm".

Bürgermeister Bernhard Wellmann ist auch da. Er hat eine Fotokamera dabei, "ein wichtiges Arbeitsgerät", wie er sagt. So kann er beispielsweise für spätere Zwecke dokumentieren, was in Sachen Brandschutz in der Gemeinde unternommen worden ist.

An diesem Tag brennt es nicht nur sprichwörtlich: 14.47 Uhr. Im Funkgerät von Rolf Fangmeier knattert und knistert ist. Dann ein Notruf. "Kellerbrand in Vehrte", lautet die Meldung. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Keine 60 Sekunden später ist das Martinshorn des "Helfers vor Ort" vom DRK zu hören. Kurz danach saust ein Krankenwagen heran. Die Anwohner haben ihr erstes Bier getrunken. Sie warten ganz entspannt darauf, wie es weitergeht.

Bei den Helfern jedoch ist die Hektik groß. Um 14.54 kommt der erste Feuerwehrwagen. Darin sitzt Einsatzleiter Dirk Turek. Er nimmt das Heft in die Hand. Es ist nur eine Übung: Das wissen die Retter jetzt. Trotzdem: Alle gehen vom Ernstfall aus.

"Und das ist auch richtig so", meint Bernhard Wellmann, der die ersten Bilder im "Kasten" hat. Schließlich gebe es in Belm eine Menge Gebäude wie dieses Hochhaus am Hager Feld. Hier zogen vor über 30 Jahren britische Soldaten mit ihren Familien ein. Inzwischen steht nach langwierigen Kaufverhandlungen (wir berichteten) fest: Am 27. September wird das Turmhaus abgerissen. Es soll einem neuen Baugebiet für Häuslebauer Platz machen. Etwa 30 Grundstücke seien im Bebauungsplan ausgewiesen, sagt Bernhard Wellmann.

Daran denkt Dirk Turek jetzt aber nicht. Über 25 Verletzte sollen im Haus sein, hört er. Verstärkung aus Wallenhorst, Rulle und Schledehausen naht bereits. Doch ein Pkw versperrt die Feuerwehrzufahrt. Es dauert Minuten bis der Fahrer gefunden ist - er sitzt bei Anwohnern in der Nähe des Gartentisches.

"Jetzt brennt es auch noch im Dachgeschoss", ruft ein Feuerwehrmann. Das Szenario sieht vor, dass eine Frau vom Kellerbrand erfährt, in Panik gerät und dabei das Abendessen auf dem Herd vergisst. Die Flammen greifen um sich. Zwei Bewohner retten sich auf den Balkon. Obwohl nur Übung: Das Feuer ist echt.

Doch: "Alles unter Kontrolle", meldet Dirk Turek. Es wird eine Drehleiter ausgefahren, die Flammenopfer zu Boden gebracht. "Personenrettung geht vor", sagt Karl Diekmann, der Leiter des Belmer Ordnungsamtes. Dann kommt die Brandbekämpfung: Einzelne Trupps durchsuchen die acht Etagen.

Vorher aber müssen sie zu Markus Vennemann von der Freiwilligen Feuerwehr aus Rulle und Marco Thies von den Schledehauser Blauröcken. Jeder, der ins Haus geht, wird namentlich registriert, die Uhrzeit protokolliert. "Das ist so ziemlich das Wichtigste", erklärt Marco Thies. Schließlich könne die Feuerwehr sonst möglicherweise den Überblick verlieren und nicht merken, dass einer der Helfer vielleicht seit längerer Zeit fehle.

Es ist 15.51 Uhr. Die Verletzten sind versorgt. Über Funk meldet Rolf Fangmeier, der sich das ganze Szenario ausgedacht hat, dass der Brand unterm Dach gelöscht ist.

Karl Diekmann vom Ordnungsamt hat sich eine Pfeife angesteckt. Er steht auf dem Bürgersteig, lächelt zufrieden. Dirk Turek streichelt einem Kind über den Kopf. Die Anwohner haben den Gartentisch weggeräumt. Der Sonnenschirm ist auch zusammengefaltet.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 23.08.2004, Christian Wiermer

 
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