Vom Notruf bis zum Einsatzort - Wie lange braucht die Feuerwehr
Mittwoch, 09. September 2009 um 12:43 Uhr

kein einsatzbildAus gegebenem Anlass möchten wir Ihnen ergänzend zu unserem Artikel "Der richtige Notruf" einige Informationen zum Alarmierungskonzept einer Freiwilligen Feuerwehr mit auf den Weg geben.

Am vergangenen Sonntag den 06. September 2009 ereignete sich im Duisburger Stadtteil Marxloh ein folgenschwerer Wohnungsbrand, bei dem drei Kinder (2, 4 und 10 Jahre) sowie eine 44 jährige Frau ums Leben kamen.

Im Zuge der begleitenden und abschließenden Berichterstattung wurden jedoch Stimmen laut, die auf Seiten der Feuerwehr einen negativen Beigeschmack zu der ohnehin schon belastenden Einsatzsituation hinterlassen.

 

 

 

Artikel auf www.Stern.de vom 06.09.2009

Feuerdrama in Duisburg: Drei Kinder und eine Frau sterben bei Brand

Als die Feuerwehr eintraf, war es bereits zu spät: Ein Brand in einem Mehrfamilienhaus in Duisburg hat drei Kindern und einer Frau das Leben gekostet. Augenzeugen erheben schwere Vorwürfe gegen die Einsatzkräfte, die viel zu spät mit den Rettungsversuchen begonnen haben sollen.

Vier Tote bei Brand in Duisburger Mehrfamilienhaus: In dem Feuer kamen am Sonntagnachmittag drei Kinder und eine Frau ums Leben. Polizei und Feuerwehr waren zunächst von vier toten Kindern ausgegangen, korrigierten ihre Angaben dann aber am Abend. Die Brandursache war zunächst noch völlig unklar, die Ermittlungen wurden am Sonntagabend aufgenommen. Wie ein Polizeisprecher sagte, handelt es sich bei der toten Frau um die Tante der drei toten Kinder, die ersten Ermittlungen zufolge zwischen zwei und elf Jahre alt waren.

Der Vater der Kinder konnte sich mit einer von Passanten herbeigebrachten Leiter aus der brennenden Wohnung im ersten Obergeschoss retten, wie der Polizeisprecher entsprechende Augenzeugenberichte bestätigte. Die Mutter sei unterwegs gewesen. Die Eltern wurden vor Ort von einem Notfallseelsorger betreut. Bei dem Feuer wurden zudem laut Polizei zwei Erwachsene und ein Kind verletzt; sie erlitten Rauchgasvergiftungen. Über den genauen Gesundheitszustand und die Identität der Verletzten war laut Polizei am Abend noch nichts bekannt. Die Feuerwehr erklärte, bei den Verletzten handele es sich um zwei Bewohner des ersten Obergeschosses und einen aus dem Dachgeschoss. Ein Bewohner wurde den Angaben zufolge über eine Drehleiter aus dem viergeschossigen Haus in einer belebten Einkaufsstraße im Stadtteil Marxloh gerettet.

Vorwürfe gegen Feuerwehr

Ein Augenzeuge sagte, der Vater der drei toten Kinder habe sich auf einen Sims gerettet und sei dann über die von Passanten herbeigebrachte Leiter hinabgestiegen. Zunächst sei der Rettungsversuch an der zu kurzen Leiter gescheitert, berichtete der 32-Jährige. "Das ist der schwärzeste Tag meines Lebens." Die Passanten hätten dem Vater noch zugerufen, er solle seine Kinder zum Fenster bringen. Doch dieser habe von einer Beinverletzung berichtet und gerufen, ihm sei das nicht möglich.

Der Wohnungsbrand wurde der Feuerwehr um 16.02 Uhr gemeldet. Bei ihrem Eintreffen, vier Minuten nach dem Notruf, brannten die Räume im ersten Obergeschoss lichterloh, wie die Einsatzkräfte mitteilten. Der Brand war nach einer Stunde gelöscht. Die Feuerwehr war mit etwa 80 Einsatzkräften vor Ort. Die Augenzeugen bezweifelten die von der Feuerwehr angegebene Ankunftszeit allerdings am Sonntag: Die Feuerwehr habe 20 Minuten gebraucht, um zu kommen, sagte ein Anwohner. Nach der Ankunft habe die Feuerwehr dann noch "lange mit ihrem Wagen herum rangiert und in aller Ruhe die Leiter ausgefahren", kritisierte der 36-Jährige. "Ich wohne hier um die Ecke. Ein Kumpel hat an meine Tür geklopft und gesagt: Hol eine Leiter, da verbrennen Kinder", berichtete er.

Und noch ein Augenzeuge berichtete von einem späteren Eintreffen der Rettungskräfte: "Ich habe um 16:03 Uhr die Polizei angerufen. Da habe ich noch eines der Kinder am Fenster gesehen. Erst um 16:17 Uhr ist die Polizei gekommen. Die Feuerwehr kam noch später. Und dann haben sie erst mal den Mann aus dem oberen Stockwerk mit der Drehleiter herausgeholt, bevor sie hinein gegangen sind." Die Feuerwehr bezeichnete die Vorwürfe am Sonntagabend als "völlig haltlos".

Quelle: www.stern.de

Im Folgenden wollen wir Ihnen Aufzeigen wie die Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehr Belm sowie die der knapp 90 Feuerwehren im Landkreis Osnabrück abläuft.

Auch wenn die Zeit zwischen dem Absetzen des Notrufes und dem Eintreffen der ersten Einsatzkräfte an der Einsatzstelle für den Hilferufenden sehr lang erscheint und eine gefühlte Ewigkeit vergeht, bis in der Ferne das Martinhorn von Feuerwehr und Rettungsdienst zu hören ist, so erreicht die Feuerwehr meist nach sechs bis zehn Minuten (teilweise auch schneller) die Einsatzstelle. Längere Anfahrtszeiten begründen sich nicht selten durch ungenaue Angaben beim Absetzen des Notrufes (siehe auch Der richtige Notruf) oder durch zugeparkte Straßen, die das rasche Vorkommen der großen Einsatzfahrzeuge verhindern.

Wenn es zu einem Brand oder Unfall gekommen ist, oder ein Rettungswagen und Notarzt benötigt wird, kommt es oftmals auf Sekunden an. Nun ist es von entscheidender Bedeutung, dass der Notruf über die 112 schnell aber vor allem vollständig und ruhig abgesetzt wird. Notrufe die über die 112 im Landkreis Osnabrück getätigt werden laufen automatisch in der Rettungsleitstelle am Schölerberg in Osnabrück auf. Durch den Disponenten der Leitstelle wird nun ein Einsatz eröffnet und je nach vorliegender Lage werden durch einen Computer die benötigten und am nächsten stationierten bzw. verfügbaren Rettungsmittel vorgeschlagen und auf Bestätigung des Disponenten alarmiert.

FEL_Raeume3Die nun durch den Disponenten getätigte Alarmierung löst bei den betreffenden Einsatzkräften die Funkmeldeempfänger aus, die nahezu jeder Feuerwehrangehörige 24h am Tag bei sich trägt. Aber auch der Rettungsdienst wird über Funkmeldeempfänger alarmiert, den das diensthabende Personal einer Rettungswache mitführt. In ländlicheren Gebieten ertönt oftmals noch parallel eine Sirene, die auch die Einsatzkräfte alarmiert, die über keinen Funkmeldeempfänger verfügen. Dieses wird aber immer mehr zur Seltenheit und sollte in den nächsten Jahren gänzlich aus dem Alarmierungssytem verschwunden sein.

Je nach Tageszeit verlassen die Feuerwehrmänner und -frauen ihren Arbeitsplatz oder kommen von zuhause zum Feuerwehrhaus. Schon kurz nach der Alarmierung treffen die ersten Einsatzkräfte am Gerätehaus ein und besetzen die Einsatzfahrzeuge. Die Rettungsleitstelle versorgt nun, wenn möglich, den Einsatzleiter und die weiteren Gruppenführer per Funk mit genaueren Informationen zum Einsatzort und der zu erwartenden Situation vor Ort.geraet

Ist ein Fahrzeug komplett besetzt, rückt das Fahrzeug unter in Anspruchnahme der Sonderrechte (Blaulicht + Martinshorn) zur Einsatzstelle aus. Bei einem Brandeinsatz wird dann grundsätzlich der erste Trupp (besteht in der Regel aus zwei bis drei Atemschutzträgern) mit Atemschutzgeräten und Funk ausgerüstet, damit an der Einsatzstelle keine Zeit verloren geht und der Trupp direkt einsatzbereit ist.

Zu den negativen Vorwürfen aus dem vorliegenden Sternartikel kann folgendes gesagt werden. Da für die Feuerwehr die Menschenrettung oberste Priorität besitzt, wurde, wie es in der Einsatzpraxis der Feuerwehr üblich ist, parallel zu dem beginnenden Innenangriff, der den Schaulustigen oftmals verborgen bleibt, da die Leute automatisch nach oben blicken und ihre Aufmerksamkeit seltener auf die Eingangstür richten, die Drehleiter in Stellung gebracht. Auch hier ist anzumerken, dass eine Drehleiter eine gewisse Aufstellfläche benötigt und auch zur Eigensicherung abgestützt werden muss, da sonst eine Bedienung dieses Hubrettungsgerätes nicht möglich ist. Auch ist es wichtig den richtigen Standort dieses Rettungsmittels zu wählen, um die größtmögliche Fläche der Einsatzstelle abdecken zu können. Und seien Sie sicher, ein nachträgliches „rangieren" einer Drehleiter nimmt mehr Zeit in Anspruch als die Positionierung zu Beginn des Einsatzes.

(ck)

 
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